Glossar

Allgemein

DESCEMET-ABTRAGENDE AUTOMATISIERTE ENDOTHEL-KERATOPLASTIK (DESCEMET STRIPPING AUTOMATED ENDOTHELIAL KERATOPLASTY – DSAEK)

1. EINFÜHRUNG  

Die Hornhaut (Cornea) ist der glasklare vordere Teil der äußeren Augenhaut. Bei Hornhaut-Blindheit ist das Endothel (die hintere Oberfläche der Hornhaut) beschädigt, und die Hornhaut wird trüb und schwillt durch das Fehlen der Endothelzellen (einer dünnen Zellschicht auf dem Endothel) an. Diese Zellen sind nicht in der Lage, sich zu teilen oder selbst zu reparieren, daher müssen sie durch gesundes Spendergewebe aus der Augenbank ersetzt werden. Die Zellen, mit denen die man geboren wird, müssen für das gesamte Leben ausreichen.

2. INDIKATIONEN FÜR DSAEK

DSAEK ist für diejenigen Patienten angezeigt, die an einer Erkrankung der Hornhaut-Endothelschicht leiden. Dies tritt am häufigsten bei Patienten mit einem Trauma der Endothelschicht nach einer Operation des grauen Stars auf oder bei Patienten mit einer angeborenen Erkrankung des Hornhaut-Endothels, die unter der Bezeichnung Fuchs-Endotheldystrophie bekannt ist. Eine Dysfunktion des Endothels kann auch durch angeborene oder vererbte sowie durch mechanische oder physiologische Bedingungen auftreten (Bedingungen, die das Schließen der Augenlider unmöglich machen, bewirken eine übermäßige Austrocknung der Hornhaut). Ulcera, die durch bakterielle, Virus- oder Pilzinfektionen ausgelöst werden, können die Hornhaut abtragen und manchmal sogar perforieren.

In den vergangenen 50 Jahren war die Penetrierende Keratoplastik (PKP), das Ersetzen der gesamten Dicke der Hornhaut, die medizinische Standardbehandlung bei Patienten mit Hornhautendothel-Erkrankungen. Es werden dabei zwar hervorragende anatomische Ergebnisse erzielt, die visuellen Ergebnisse hingegen sind jedoch in Bezug auf Geschwindigkeit, Qualität und Vorhersagbarkeit schlecht. Ein durchschnittlicher Patient für eine Hornhauttransplantation kann bis zu 2 Jahre lang nicht gut sehen. Es ist sehr schwierig, die endgültige Krümmung der Hornhaut vorherzusagen; nach dem chirurgischen Eingriff sind daher in der großen Mehrheit der Fälle eine Brille oder Kontaktlinsen erforderlich. Die Nähte müssen lange im Körper verbleiben, und eine wieder aufgerissene Wunde ist ein ernstes Risiko. Patienten mit einer beidseitigen Erkrankung müssen auf die Behandlung ihres zweiten Auges oft lange warten, weil das zuerst behandelte Auge noch nicht geheilt ist.

Vor kurzem haben Hornhautspezialisten jedoch damit begonnen, nur die erkrankte Hornhautschicht anstelle der gesamten Hornhaut zu ersetzen. Diese Technik ist nicht nur schneller, besitzt eine kürzere Heilungszeit und ist mit weniger (oder gar keinen) Schmerzen verbunden, das Verfahren ergibt auch einen deutlich besseren Visus bei den Patienten.

Die Vorteile von DSAEK sind ein kleiner chirurgischer Schnitt beim DSAEK-Verfahren statt der vollständigen Öffnung des vorderen Bereichs des Auges und der Verzicht auf Nähte in der Hornhaut. Dies bewirkt üblicherweise eine deutlich schnellere Erholung des DSAEK-Patienten und reduziert darüber hinaus das Risiko von das Sehvermögen gefährdenden Komplikationen, die bei dem herkömmlichen PKP-Verfahren auftreten können, z. B. intraoperative expulsive Hämorrhagien oder postoperatives traumatisches Aufreißen der Wunde.  

3. BESCHREIBUNG DES EINGRIFFS

Der Eingriff erfolgt ambulant. Der Patient wird sediert und erhält eine betäubende Injektion hinter das Auge. Der Patient ist wach, fühlt jedoch nichts.

Im ersten Teil des DSAEK-Eingriffes werden die betroffenen erkrankten Endothelzellen entfernt. Im zweiten Teil des Eingriffes wird das erkrankte Gewebe durch gesunde Zellen aus einer Spenderhornhaut ersetzt. Der gesamte intraoperative Eingriff wird in etwa 20 bis 30 Minuten durchgeführt.

Nachdem die Lokalanästhesie zu wirken beginnt, wird das Auge steril abgedeckt. DSAEK ist ein mikrochirurgisches Verfahren, das unter einem speziellen Operationsmikroskop durchgeführt wird. Im ersten Schritt der Operation wird mit einem Keratom genannten Instrument, zum Beispiel dem Gebauer SL für DSAEK, ein sehr kleiner Schnitt in die äußere Schicht der Hornhaut gemacht. Mit einer Maschine, die aus einer in LASIK-Eingriffen verwendeten Maschine entwickelt wurde, wird die Hornhaut freigelegt und der trüb gewordene Bereich durch die Spenderhornhaut ersetzt.

Damit das neue Gewebe an der hinteren "alten" Hornhaut haftet, wird eine Luftblase eingespritzt, die den gesamten vorderen Teil des Auges eine Stunde nach dem Eingriff füllt. Die Blase ersetzt die Nähte. Nach diesem Zeitraum wird die Luft teilweise abgelassen, die restliche Luft bleibt über Nacht im Auge. Die Patienten werden gebeten, den Rest des Tages nur auf dem Rücken zu liegen. Am folgenden Morgen werden sie in der Klinik erneut untersucht.

Patienten können bereits zwei Wochen nach dem Eingriff wieder ihren normalen Tätigkeiten mit Ausnahme von Schwimmen nachgehen. Antibiotische Augentropfen müssen eine Woche nach der Operation, milde Steroid-Augentropfen mindestens ein Jahr, häufiger jedoch für den Rest des Lebens verwendet werden, damit das Implantat nicht abgestoßen wird, wenn der Körper das Gewebe als Fremdkörper erkennt und eine Abwehrreaktion auslöst. Glücklicherweise sind Abstoßungen des Implantats in diesem Bereich sehr selten und können, falls sie doch einmal auftreten, erfolgreich behandelt werden.